reif für den Rücktritt
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reif für den Rücktritt
Geschrieben von: thomas    Freitag, den 06. Mai 2011 um 07:46 Uhr    PDF Drucken E-Mail

„Mr.Bernanke, Sie sind reif für den Rücktritt"

Rohstoff-Guru Jim Rogers findet kein gutes Haar an der Geldpolitik der USA. Er ist

überzeugt, dass Europa mit Staatspleiten besser dran wäre und sieht in Rohstoffen langfristig die beste Wette am Kapitalmarkt.

WirtschaftsBlatt: Herr Rogers, wenn Sie sich die derzeitige Situation an den Börseplätzen anschauen, was fällt Ihnen dazu ein?
Jim Rogers: Ich sehe nur Probleme. Und was für welche. Egal, ob Amerika, England oder Europa, hier läuft so ziemlich alles falsch.

Sie sind kein Fan der lockeren Geldpolitik der USA?
Das kann so nicht funktionieren. Die Schulden schießen bereits in ungeahnte Höhen. Amerika durchwandert alle vier bis sechs Jahre eine Rezession. Die nächste steht schon vor der Haustür. Auch wenn sie erst 2013 anklopft, wird Amerika keinen Ausweg mehr sehen. Weil wir unser gesamtes Pulver bereits verschossen haben. Den Schuldenberg noch einmal vervierfachen? Weiter Geld drucken, als gebe es kein Morgen mehr? Ich sage Ihnen, es reicht. Die Moral: Währung, Zinsen und Wirtschaft werden kollabieren.

Die Tage der Leitwährung Dollar sind also gezählt?
Noch ist es nicht so weit. Aber wir galoppieren mit Schnelligkeit in diese Richtung. In zehn oder 20 Jahren wird der Greenback nicht mehr Leitwährung sein. Es ist schade, diesen Platz an der Sonne zu verlieren, denn ich bin immer noch Amerikaner. Wir werden uns aber darauf einstellen müssen. Das Pfund hat es auch überlebt.

Ärgern Sie sich über Notenbank-Chef Ben Bernanke?
Ich bin wirklich enttäuscht. Ich hoffe immer noch, dass in Amerika etwas Anständiges passiert. Darauf kann ich anscheinend lange warten.

Wenn Sie Ben Bernanke etwas sagen könnten, was käme Ihnen da in den Sinn?
Mr. Bernanke, Sie sind reif für den Rücktritt. Sie sind ein Desaster für Amerika, ein Desaster für die ­ganze Welt. Und nehmen Sie die Fed gleich mit. Eine Welt ohne Zentralbank wird zwar Probleme haben, ist aber ohne Fed garantiert besser dran. Die Notenbank ist nichts weiter als eine Papierdruckmaschine.

Das Anleihenhaus Pimco hat sich vor kurzem aller US-Staatsanleihen entledigt. Eine weise Entscheidung?
Ich plane US-Anleihen zu shorten. Ich begreife nicht, warum man der US-Regierung noch mehr Geld leihen sollte. Außerdem glaube ich, dass sich bei Bonds derzeit eine Blase bildet. Da gefällt mit der Euro besser.

So gut steht es um die europäische Einheitswährung aber auch nicht.
Die EZB macht mit Sicherheit einen besseren Job als die Fed. Ich bin in einigen Währungen investiert, darunter ist auch der Euro. Allerdings würde ich derzeit nicht nachkaufen.

Macht Europa mit den Rettungsschirmen denn alles richtig?
Nein, die machen alles falsch. Da wird für Staaten, die versagt haben, die Zeche gezahlt. Japan ist das beste Beispiel dafür, dass es nicht funktioniert. In den 1990er-Jahren wurde dort ein Bankrott verhindert. Die zahlen bis heute den Preis dafür und werden weiter blechen. Skandinavien hatte die gleichen Probleme und hat viele Leute bankrott gehen lassen. Das hat zwei, drei Jahre extrem weh getan, danach gab es wirklich gute Wachstumsraten. Welcher Weg ist nun der richtige? Ich sage, weg mit den Zombie-Unternehmen und Zombie-Banken, erst dann können die Staaten gesunden.

Sie sind einer der bekanntesten Rohstoff-Experten der Welt. Verliert die Rally bereits an Fahrt?
(lacht) Ich bin auch der schlechteste Market-Timer in der Welt. Keine Ahnung, wie lang die Rally noch andauern wird. Wenn Kurse so wie jetzt bei Gold, Silber und Öl steil ansteigen, wird es eine Korrektur geben. Das wäre auch gut. Silber hat schon begonnen zu korrigieren. Je tiefer, desto besser, denn dann werde ich nachkaufen. Auf lange Sicht werden Rohstoffpreise in den kommenden Jahren deutlich steigen.

Weil das Angebot die Nachfrage nicht stillen kann?
Einerseits ja. Andererseits wurde in den vergangenen 25 bis 30 Jahren viel zu wenig in den Ausbau der Produktionskapazität investiert. Das wird zu enormen Engpässen führen. Mit Rohstoffen verdiene ich sowohl bei einem Wirtschaftsaufschwung, als auch bei einem neuerlichen Abschwung. Sobald Geld gedruckt wird und die Währung schwächelt, sind Rohstoffe die beste Wette.

China wird immer öfter als Retter der Welt gesehen. Korrekt?
China ist mit Sicherheit das wichtigste Land des 21. Jahrhunderts. Genauso wie England im 19. und die USA im 20. Jahrhundert. Aber China kann uns noch nicht retten. Egal, wie gut sie wachsen, die Wirtschaft des Landes ist viel zu klein. Und es wird einige schmerzhafte Rückschläge geben. Das ist auf dem Weg zur Weltmacht nur natürlich.

Was steht auf Ihrer Einkaufsliste?
Eindeutig Rohstoffe. Es gibt viele Anlger, die noch nie in Rohstoffe investiert haben. Jetzt ist die Zeit zu lernen. Ich habe außerdem ein wachsames Auge auf Myanmar. Und dann ist da noch Nordkorea. Das ist ein fantastischer Platz für Investoren. Nur leider fehlt dort noch die Börse.

Quelle: www.wirtschaftsblatt.at

 

 

 

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